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Teilhabe ist Menschenrecht

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Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hat eine Kampagne gestartet. Sie richtet sich gegen den drohenden Sozialabbau und fordert uneingeschränkten Teilhabe von Menschen mit Behinderung – denn Teilhabe ist ein Menschenrecht!

Die Kommunen klagen immer lauter über leere Kassen – und fast täglich kommen neue, unzumutbare Sparvorschläge. Seit sogar Bundeskanzler Friedrich Merz die Kosten der Eingliederungshilfe kritisiert hat, wächst die Angst bei Menschen mit Behinderung und ihren Familien. Sie befürchten, dass wichtige Leistungen der Eingliederungshilfe schon bald gekürzt werden könnten. Die Lebenshilfe startet deshalb ihre bundesweite Kampagne „Teilhabe ist Menschenrecht“.

 
Ulla Schmidt, Bundesvorsitzende der Lebenshilfe und Bundesministerin a.D., erklärt: 

Bereits im Grundgesetz steht: Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden. Daher sagen wir: Finger weg von der Eingliederungshilfe! Sie ist die Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe und darf nicht angetastet werden. Wer denkt, Menschen mit Unterstützungsbedarf machen sich ein schönes Leben auf Kosten des Staates, irrt gewaltig. Eingliederungshilfe ist kein Luxus! Die Kostensteigerungen sind vielmehr auf die hohen Inflationsraten vergangener Jahre sowie die Tariflohnentwicklung zurückzuführen. Außerdem nehmen die Fallzahlen in der Eingliederungshilfe zu. Das ist eine Folge des medizinischen Fortschritts, der die Lebenserwartung auch von Menschen mit Behinderung erhöht.“


Einsparpotenzial sieht die Lebenshilfe allenfalls im Abbau von Bürokratie - beispielsweise indem die Überprüfungsintervalle für den Bedarf an Eingliederungshilfe verlängert werden und die Leistungsdokumentation vereinfacht wird. Die Bundesvereinigung wird sich in den kommenden Monaten aktiv an dem Dialogprozess zwischen Bund, Ländern und Kommunen beteiligen und sich gegen Leistungskürzungen zu Wort melden.

 
Doris Langenkamp, Vorsitzende der Lebenshilfe Münster und Mitglied im Bundesvorstand, betont zu Beginn der Kampagne: 

Wir möchten der Öffentlichkeit zeigen, wie wichtig die Eingliederungshilfe für die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Unterstützungsbedarf ist“.

Weiterführende Materialien

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Positionspapier der Fachverbände 

Die Fachverbände für Menschen mit Behinderung haben 14 Punkte aufgezeigt, die die roten Linien bei der Weiterentwicklung der Eingliederungshilfe markieren. 
PDF-Download

Forderung der Bundesvereinigung Lebenshilfe zur Eingliederungshilfe

Handreichung mit einer Stellungnahme der Bundesvereinigung.

PDF-Download 

Eingliederungshilfe ganz konkret 

Wie unterstützen die Leistungen der Eingliederungshilfe Kinder, junge Menschen oder Erwachsene im Alltag? Die Bundesvereinigung Lebenshilfe zeigt anhand verschiedener Beispiele, was Eingliederungshilfe ganz konkret bedeutet.

Mila und ihre Schulbegleitung 

Mila, 10 Jahre, braucht viel Unterstützung beim Lernen.
Eingliederungshilfe sichert eine Schulbegleitung.
Wenn die Eingliederungshilfe gekürzt wird, kann Mila nicht in die Schule gehen.

Erläuterung zur Bedeutung der Eingliederungshilfe für Mila

  • Mila darf nur mit einer Schulbegleitung (Leistungen zur Teilhabe an Bildung) am Unterricht der vierten Grundschulklasse teilnehmen.
  • Die Schulbegleitung verbringt die Unterrichtszeit mit ihr. Sie hilft ihr, dem Unterricht zu folgen und die Arbeitsmaterialien zu verwenden.
  • Zudem unterstützt sie Mila in der Kommunikation mit den Lehrkräften und ihren Mitschüler*innen.
  • Wenn ihre Stunden für die Schulbegleitung vom Träger der Eingliederungshilfe gekürzt würden, dürfte sie entsprechend weniger lange die Schule besuchen.

 
Für Mila steht und fällt der Schulbesuch mit der Unterstützung durch die Eingliederungshilfe – eine Alternative hat sie nicht.

Olga und ihre Wohnung 

Lebenshilfe/David Maurer
Lebenshilfe/David Maurer

Olga, 29 Jahre, braucht regelmäßig Unterstützung, damit sie in ihrer eigenen Wohnung leben kann.

Mit weniger Eingliederungshilfe müsste sie wieder bei ihren Eltern wohnen oder in eine Wohnstätte ziehen.

Erläuterung zur Bedeutung der Eingliederungshilfe für Olga

  • Olga ist mit 27 Jahren zu Hause ausgezogen. Sie hat eine eigene Wohnung und besucht die Werkstatt in ihrer Nähe. Damit sie ihre häuslichen Angelegenheiten, ihr Sozialleben und ihre gesundheitlichen Themen gut hinbekommt, hat sie eine regelmäßige Unterstützung durch ein ambulantes Unterstützungsangebot der Eingliederungshilfe.
  • Sie hat schon einmal probiert mit weniger Unterstützung klarzukommen. Das hat nicht funktioniert. Hätte sie nicht sofort wieder ambulante Leistungen der Eingliederungshilfe beziehen können, hätte sie wieder zu ihren Eltern ziehen müssen.

 
Olga möchte gern selbstständig wohnen, aber ohne die Eingliederungshilfe hätte sie keine Chance.

Yassin und seine Wohngemeinschaft

Yassin, 34 Jahre, lebt in einer Wohnstätte. Hier hat er Freunde und kann teilhaben. Er kann nicht sprechen, braucht viel Pflege und viel Unterstützung.

Ohne Eingliederungshilfe muss er ins Pflegeheim ziehen. Dort ist er allein unter alten Menschen und wird nicht verstanden.

Erläuterung zur Bedeutung der Eingliederungshilfe für Yassin

  • Yassin lebt in einer Wohnstätte für Menschen mit komplexen Behinderungen und hohem Unterstützungsbedarf. Er und seine Eltern hatten Glück, denn es gibt sehr wenige Einrichtungen der Eingliederungshilfe, die in der Lage sind, Menschen mit komplexer Behinderung wie Yassin gut zu unterstützen.
  • Die Wartelisten sind lang. Je weniger dieser Einrichtungen noch von der Eingliederungshilfe bezahlt werden, desto größer die Gefahr, dass Menschen wie Yassin auch im jungen Alter in ein Pflegeheim ziehen müssen.

Die Unterstützung zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft erhält Yassin ohne Eingliederungshilfe nicht mehr.

Hans und sein 1. FC Köln

Hans, 45 Jahre, ist Fan des FC Köln und besucht gerne die Heimspiele seines Fußballvereins. Zu diesem Zweck fährt Hans regelmäßig zum Stadion des FC Köln, um vor Ort zu sein.

Ohne seine Assistenz wäre das für Hans nicht möglich.

Erläuterung zur Bedeutung der Eingliederungshilfe für Hans

  • Hans geht in die Werkstatt und lebt in einer betreuten WG. Er ist FC-Fan. Alle paar Monate wird er vom ambulanten Dienst der Eingliederungshilfe zu einem FC-Spiel begleitet. Sie fahren gemeinsam und genießen die Stadionatmosphäre.

  • Diese Besuche sind für Hans die absoluten Highlights in seinem Leben. Sie wären nicht möglich, wenn seine Eingliederungshilfeleistungen gekürzt oder das Eingliederungshilfeangebot, das ihn begleitet, nicht mehr finanziert werden würde.

 
Ohne Eingliederungshilfe wäre Hans diese Teilhabe am Leben in der Gesellschaft nicht möglich.

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